Dinu Hartwich
Meine wichtigsten ersten Begegnungen mit der Musik waren sehr einfach und natürlich. Ich würde sie jedem Kind wünschen, sehe sie bis heute als Grundlage meines Wirkens und möchte all denen, die mich geprägt haben, hier aus Dankbarkeit ein Denkmal setzen:
Ein schönes Lied, „Geh aus mein Herz und suche Freud“, in der Natur vorgesungen... Das gute Klavierspiel meines Vaters, eines Gymnasiallehrers für Sprachen, wenn ich schon im Bett lag. Er ist bis heute mein bester Kollege geblieben, dessen Geschmack, Wissen in allen Bereichen der Musik und ihrer Pädagogik und enzyklopädische Kenntnis von allem, was mit Klavier und Klavierspiel zu tun hat, immer vorbildlich waren.
Die vielen schönen Proben und kirchlichen Auftritte mit dem vom musikliebenden Pfarrer im Ruhestand Frieder Theysohn geleiteten Flötenensemble.
Der Schulchor ab der 5.Klasse, wo statt Zweitklassigem wunderbare Bach-Motetten gesungen wurden und der Leiter, Kurt Greth, gezeigt hat, wie man Jugend heranführt: nur gute Werke, immer positiv, extra Zusatzstunde wöchentlich für die Einsteiger, halbtägige Trainingslager in Speyer, große Chorfreizeiten und herrliche Konzerte mit exzellenten Profis... Und sein Stolz, wenn einer seiner Zöglinge es aus dem „besten Sopran der Vorderpfalz“ dann in die „Nationalmannschaft“, die „Pfälzische Jugendkantorei“ geschafft hatte! Ein vorbildlicher Musikerzieher, der im Hauptberuf auch kein Musiker war.
Und das erste Orchester, das „Speyerer Konzertorchester“, wo ich im Ensemble musizieren gelernt habe und auch, dass Musik nur schlecht, besser oder gut ist, nicht tiefer- oder höherstehend. Der Leiter, Herbert Franze, ein in Dresden ausgebildeter Geiger und hervorragender, aber immer bescheidener Musiker, der nach Kriegswirren und kurzer Zeit im damaligen professionellen Speyerer Sinfonieorchester auch seine Familie durch Frondienst einem anderen Brotberuf ernährt hat... Er hat vorbildliche Orchestererziehung gelebt und alles, was in gemischten Chorkonzerten neben Mozart und Beethoven anlag, mit gleicher Begeisterung vermittelt und als Dirigent interpretiert: „Ja, ja, der Chiantiwein“ und „Maske in Blau“ neben „Ave verum“, „Donauwalzer“ und „Intermezzo“ (Cavalleria rusticana) neben „Salzburger Sinfonien“... und das alles ehrenamtlich, lange bevor das in Mode kam!
Peter Huba, mein erster Violinlehrer, der alles konnte und (vielleicht doch etwas zu viele Instrumente) unterrichtet hat, ein hervorragender Allroundmusiker, der in der Kleinstadt viel bewirkt hat.
Diethelm Kaufmann, mein Orgellehrer, der nicht viel Freude an mir haben konnte... und doch immer aufbauend und positiv geblieben ist, mein großes Vorbild im Unterricht mit Schülern, die viele andere Hobbies haben!
Rudolf Schellhammer, der wunderbare Gesangspädagoge, Finanzbeamter wegen einer Körperbehinderung, aber Profi durch und durch.
Dezsö Lehota, mein zweiter Violinlehrer, von dem ich behalten habe, wie sehr es sich auf die Schüler überträgt, wenn man sein eigenes Licht nicht unter den Scheffel stellt sondern leuchten und ausstrahlen lässt. Und der durch seine Geschichte, als Wunderkind schon in Budapest bei Jenö Hubay..., mein Interesse an Künstlerbiografien und „Schulen verschiedener Musikzentren“ geweckt hat. Und die Liebe zu Zigeunermusik bei gutem Essen.
Wanda Wilkomirska, die wunderbare Künstlerin und Frau mit Weltkarriere, die auch die „kleinen Talente“ mit großem Enthusiasmus unterrichtet hat und für die ihre Schüler immer auch ihre Kinder waren und deren Schüler die Enkel...
Und Dietmar Mantel, der Methodiklehrer, pädagogische Ratgeber und Wegbereiter und der gute Freund, der mir schon sagte, wieviel er von mir gelernt habe, bevor ich ihm mal sagen konnte, wieviel ich von ihm gelernt hatte...
Prof. Don Miller aus Texas, der uns dringend empfahl, im Klassenunterricht keine Schuhe mit rutschigen Ledersohlen zu tragen, ein pragmatischer Profi, dessen Maxime „teach music through music“ mich immer begleitet hat!
Es gäbe noch viele andere zu nennen. Stellvertretend für alle seien meine verstorbenen Freunde Michael Kischka (der mich als auch noch junger Schulleiter in Speyer als Siebzehnjährigen vertrauensvoll „eingestellt“ hat und immer ein treuer Weggefährte war) und Diethard Laxa genannt, die beide das Musikleben in Speyer und darüber hinaus entscheidend und selbstlos bereichert haben. Das Musizieren und Konzertieren mit Diethard und seiner Familie gehört zu meinen schönsten Erinnerungen und hat mich immer ermutigt, Kinder und Schüler auch in größeren Konzertzusammenhängen einzubinden.
Lebenslauf
  • musikalisch umfassende Grundausbildung in Violine (Dezső Lehota), Klavier (Wieland Hartwich), Orgel (KMD Diethelm Kaufmann), Chorleitung (Ruth Zimbelmann, Prof. Heinz-Markus Göttsche) und Gesang (Rudolf Schellhammer, Renate Fried-Bender)
  • Violinstudium in Mannheim bei Wanda Wiłkomirska und Dietmar Mantel (Methodik)
  • zahlreiche Fortbildungen: ESTA, Klassenunterricht Streicher bei Prof. Don Miller u.a.
  • jahrelange Aushilfstätigkeit im Kurpfälzischen Kammerorchester, Kammermusik in diversen Besetzungen, auch mit Barockinstrumentarium
  • schon parallel zum Studium einige Jahre Lehrauftrag "Lehrversuche Violine" an der Musikhochschule des Saarlandes und Festanstellung am Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz (dort auch in der Studienabteilung, u.a. Methodik/Lehrversuche)
  • Fachgruppenleitung Streicher und eineinhalb Jahre kommissarische Schulleitung in Krankheitsvertretung, als Fachleiter Aufbau der Streicherensembles, in Zusammenarbeit mit weiteren Lehrkräften Durchführung zahlreicher Meisterkurse mit international renommierten Musikern (Wanda Wiłkomirska, Simon Standage, Wieland Kuijken, Ulf Hoelscher, Bernhardt Schmidt, Conrad von der Goltz u.a.), Durchführung von Schulwettbewerben, "Kinderkursen" und Musikfreizeiten
  • besonderes Augenmerk legt er auf eine umfassende Ausbildung der Schüler, in der Kammermusik, Theorie und Gehörbildung (auch intensiv für die Aufnahmeprüfung) von Anfang an integriert sind, weshalb er auch im neu konzipierten Fach "Schulpraktisches Klavierspiel" ergänzenden Klavierunterricht für seine Schüler mit hohem Theorie- und Gehörbildungsanteil anbietet
  • Unterrichtet in allen Altersstufen, auch mit großer Begeisterung erwachsene Anfänger und Wiedereinsteiger. Seine Schüler haben über 150 Preise bei verschiedenen Wettbewerben gewonnen (etliche Bundespreise Jugend Musiziert), waren/sind Mitglieder mehrerer Landesjugendorchester oder haben erfolgreich ein Musikstudium absolviert.